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Buchkolumne "gut.geschrieben." zu Harald Welzer´s "Selbst Denken. Eine Anleitung zum Widerstand."

Start der Buchkolumne, die Ruth Urban, Autorin, Beraterin für Coaches, Trainer*innen und Berater*innen in Sachen Positionierung und authentische Außendarstellung. Sie liebt Bücher - auch Sachbücher und fasst hier für unsere Leser*innen lesenswerte und hilfreiche Titel zusammen und gibt Empfehlungen.


„Wir haben nicht die Zeit darüber nachzudenken, wir müssen jetzt handeln“,

„Das ist zu komplex um es mal eben zu erklären“,

„Ich halte das Vorgehen für alternativlos.“

Wie oft haben wir das schon gehört? Nur, wollen wir das alles auch so glauben?
Fest steht, Widerspruch kann schiefgehen, muss sich ausprobieren, kostet auch mal Sympathien. Und Dissenz strengt an. „Man kann nicht bequem eigener Meinung sein.“

Und vor allem:
„Selbst denken hat Aufforderungscharakter gegen sich selbst.“ Was besondere Konsequenzen nach sich zieht, wenn es um das Thema geht, an dem Harald Welzer seine „Anleitung zum Widerstand“ aufhängt: Er führt uns mitten hinein in das Dilemma, dass unser bisheriger Wachstumsbegriff sich nicht mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit paaren lässt. Von der Industrialisierung, über das Konsumverhalten bis zur Achtsamkeit ist es ein heißer Ritt. Er lässt keine Ausrede, keine Schwäche zu und ist dabei ziemlich gnadenlos, auch sich selbst gegenüber. Statt den Kopf in den Sand zu stecken oder in blinden Aktionismus zu verfallen (was viel einfacher wäre), lässt er sich und uns nach- und selbstdenken. Dabei ist das Buch sehr gut – stellenweise sogar amüsant – zu lesen. Und so, wie Harald Welzer das aufbaut und entwickelt, fand ich mich tatsächlich bei ganz neuen Gedanken wieder...
Lesen. Denken. Und dann handeln. Wie schreibt er auf den letzten Seiten so schön: Werte verändern nicht die Praxis, es eine veränderte Praxis die Werte verändert.“

 

von Ruth Urban.