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Buchkolumne

Buchkolumne "gut.geschrieben." Tara Mohr "Playing Big"

In der Mai-Buchkolumne schreibt Ruth Urban über ein englischsprachiges Werk, das auf die deutschen Übersetzung zwar noch wartet, dessen Inhalt dennoch absolut lesesnwert ist!


Autorin: Tara Mohr

Titel: Playing big

Verlag: Arrow Books


gut.geschrieben:

Ein Buch wie eine Offenbarung. Oft habe ich Frauen am Tisch sitzen, die erstklassig ausgebildet sind, reich an Know-How, Lebenserfahrung und sozialer Kompetenz.
Was ihnen fehlt (neben Positionierung oder Marketing wink) ist das Zutrauen, dass ihre Fähigkeiten für die Trainerposition, das eigene Buch oder die Rolle als Key-Speakerin locker ausreichen. Und ja, gelegentlich trifft das auch auf Männer zu. Denen werden sich beim Untertitel des Buches, ganz zurecht, die Zehennägel aufrollen: „A practical guide for brilliant women like you.“ Trotzdem (weiter)lesen.

Manchmal vergessen wir, dass Männer einen ganz andere Erfahrungsschatz mitbringen. Deshalb gelingt es ihnen, Netzwerke effizient zu nutzen und einfach davon auszugehen, dass sie die geborenen Erfinder und Manager sind: Frauen fehlt es einfach an Erfahrung in der Berufswelt. Kurz zur Erinnerung: Bis 1977 durften Frauen in Deutschland nur Lohnarbeit machen, wenn der eigene Mann einverstanden war… Auch wenn seither viel passiert ist, wir holen natürlich innerhalb weniger Jahre nicht nach, was über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte, etabliert ist.

Was Tara Mohr schreibt, sind keine Neuigkeiten, aber Struktur und Einordnung machen das Buch dennoch unendlich wertvoll: Die ersten Kapitel machen klar, was uns am „Playing big“ hindert. Hier zeigt sich auch, was das genau für jede Einzelne heißen kann. Danach folgen Einheiten, wie wir das richtig anpacken können. Stets flankiert von Übungen und Fragen. Die Beispiele aus ihrer Arbeit, ihr Humor und ihr Wissen um alles Menschliche führt zu ungeheuer einprägsamen Seiten:

Ihr Beispiel für den Umgang mit dem inneren Kritiker werden Sie nie mehr vergessen. Im Kapitel „Unhooking from Praise and Criticism“ beschreibt Tara Mohr wie uns die Abhängigkeit von der Meinung anderer schwächen kann und unterstützt, ganz handfest, die Transformation: Sich selbst ins rechte Licht rücken statt im Schatten Bestätigung zu suchen.

Und in einem Kapitel, das frei übersetzt „Gute Schüler-Gewohnheiten ablegen“ heißt, musste ich an mein Ich vor zwei, drei Jahren denken: Vorbereiten jeglicher Art war meine Spitzendisziplin und polieren um des Polieren willens – das konnte ich auch gut.


Das Buch ist in einem äußerst guten lesbaren und lebendigen Stil geschrieben. Selbst Anfänger und Ungeübte kommen mit diesem Englisch bestens klar – und, wie schreibt, Shirley Conran dazu: Buy it. Pass it on.

 

von Ruth Urban.